Pressemitteilung vom 20.05.2009

Bund Naturschutz Dillingen und Donau-Ries sagen dem Straßenausbau Pfaffenhofen-Tapfheim den Kampf an.

Noch ist es ruhig im Donauried, und am Himmel vermittelt die strahlende Sonne Zuversicht. Doch am Horizont ziehen bereits dunkle Wolken auf, und es braut sich etwas zusammen, das sich in einem gewaltigen Gewitter entladen könnte. Denn die Kreisgruppen Dillingen und Donau-Ries des Bundes Naturschutz in Bayern e. V. vereinbarten den Schulterschluß im Kampf gegen den Ausbau der Ortsverbindungsstraße Pfaffenhofen-Tapfheim im Donauried. Selbst ein Rechtsstreit bis zum Europäischen Gerichtshof wird nicht ausgeschlossen.

Die beiden Vorsitzenden der Kreisgruppen Donau-Ries und Dillingen des Bundes Naturschutz (BN), Rudolf Schubert und Dieter Leippert, sind sich einig, dass das Donauried keine weiteren Verschlechterungen mehr erfahren darf.

"Deshalb kann und wird der Bund Naturschutz es nicht hinnehmen, dass die Ortsverbindungsstraße zwischen Buttenwiesen-Pfaffenhofen und Tapfheim-Erlingshofen zur Kreisstraße ausgebaut wird", so Leippert kämpferisch.

Der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Dillingen verweist darauf, dass das Donautal mit seiner Auen- und Riedlandschaft die bedeutendste europäische Ost-West-Wanderachse für wildlebende Tiere und Pflanzen darstellt. Für einen nachhaltigen Artenschutz in Europa ist es unerläßlich, dass diese Wanderachsenfunktion des Donautales deutlich verbessert wird. Der Neubau bzw. Ausbau von Straßen steht diesen Bemühungen diametral entgegen. Leippert erläuterte diese auf wissenschaftlichen Studien basierende Erkenntnis am Beispiel der Erdkröte. Bei ihr können die Sommer- bzw. Winterlebensräume bis zu 2200 m vom Laichgewässer entfernt liegen. Deshalb verwundert es kaum, dass die Wanderwege dieser Tierart häufig von Straßen durchschnitten werden. In diesem Falle benötigt eine Erdkröte ca. 10 bis 20 Minuten zum Überqueren der lebensbedrohenden Barriere. Untersuchungen haben gezeigt, dass in ungünstigen Fällen durch den Bau einer einzigen Straße die gesamte Laichpopulation eines Gewässers innerhalb von vier bis sechs Jahren ausgelöscht werden kann. Krötenzäune und Querungshilfen können die Verluste zwar mindern, sind für einen dauerhaften Schutz jedoch unzureichend. Wie stark die Wanderbewegungen wildlebender Tiere durch eine Straße beeinträchtigt werden, hängt selbstverständlich von deren Ausgestaltung, Breite sowie Verkehrsaufkommen ab. Deshalb wird durch den Ausbau einer bestehenden Straße die Barrierewirkung auf wandernde Tiere grundsätzlich verstärkt.

Für den Vorsitzenden der BN-Ortsgruppe Tapfheim Alexander Helber ist es skandalös, wenn die Landkreise Dillingen und Donau-Ries dem Ausbau der Straße zur Kreisstraße zustimmen.

"Denn immerhin zahlt Europa für dieses Gebiet Naturschutzfördergelder in Millionenhöhe. Somit fördert die Regierung von Schwaben nicht nur den unnötigen Ausbau einer Straße, sondern macht auch noch europäisch finanzierte Naturschutzbemühungen zunichte", beklagt Helber.

Der Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Buttenwiesen Gernot Hartwig findet es beachtlich, dass der Bürgermeister von Buttenwiesen in der "Jetzt red i"-Sendung des Bayrischen Fernsehens vor wenigen Tagen die wirklichen Gründe des Ausbaus zugegeben hat. Nach dessen Worten solle der Ausbau nur wegen der Fördergelder erfolgen. Somit ist er laut Hartwig verkehrsbedingt nicht erforderlich. Dennoch hofft er, dass die verantwortlichen Kreisräte des Landkreises Dillingen dem unnötigen Ausbau der Straße nicht zustimmen werden. Zumal die Unterhaltslast und spätere Sanierungen dann der Landkreis zu tragen hat. Angesichts dringlicher Aufgaben, wie der Erhalt beider Kreiskliniken und unaufschiebbare Sanierungen öffentlicher Einrichtungen, ist eine Zustimmung nicht vermittelbar. Zur Lösung des Radfahrer-Problems bieten sich laut Hartwig gleich mehrer vorhandene und gut ausgebaute Wirtschaftswege an.

Die beiden Kreisvorsitzenden Schubert und Leippert wollten die Zuversicht von Hartwig nicht teilen und beantragten deshalb vorsorglich bei ihren Vorstandschaften die Bereitstellung umfangreicher Mittel für einen etwaigen Rechtsstreit. Das einstimmige Votum für diesen Antrag demonstriert den Schulterschluß der Kreisgruppen Dillingen und Donau-Ries.

"Wir fordern, dass die vorhandene Straße zwischen Pfaffenhofen und Erlingshofen lediglich saniert und für dieses Gebiet ein Radwegekonzept erstellt wird. Einen Ausbau dieser Straße werden wir mit allen Mitteln bekämpfen. Hierbei scheuen wir auch nicht den Gang nach Brüssel", versicherte der kampferprobte Artenschutzexperte Leippert.