Pressemitteilung, vom 08.06.2010

Keine Gentechnik im Essen

Vortrag von Bund Naturschutz, evangelischem Bildungswerk und 50 Plus Aktiv in Nördlingen

Gentechnikfreiheit beginnt beim Lebensmittelanbau und beim gentechnikfreien Futtermittel, stellte Dr. Renate Pusch- Beier eingangs fest. Sie ist Referentin des Arbeitskreises Gentechnik beim Bund Naturschutz und als Diplom Bio-Chemikerin vom Fach. Den zahlreichen Zuhörern im evangelischen Gemeindehaus in Nördlingen stellte sie die Frage: Gentechnikfrei einkaufen – geht das?

Eingangs zeigte Frau Pusch-Beier nochmals die Risiken einer Agrogentechnik auf, indem sie auf die veränderte Verträglichkeit der Nahrungsmittel, unbekannte Wirkung der neuen Stoffwechselprodukte, die allergenen Eigenschaften oder die Gefahr einer Auskreuzung von Antibiotika- Resistenzen beim Menschen hinwies. Für die bäuerliche Landwirtschaft sei der Einsatz von gentechnisch veränderten (gv) Saatgut schlichtweg existenzbedrohend. Eine Koexistenz konventioneller oder biologischer Anbauweisen mit der Gentechnik sei nicht möglich, wie jüngst auch Percy Schmeiser in Nördlingen aus der Realität in Kanada berichtete. Versprechungen wie geringerer Herbizid- oder Insektizid-Einsatz konnten nicht erfüllt werden. Im Gegenteil: die Folgen waren in gestiegenem Spritzmitteleinsatz, Aufkommen von extrem resistenten Super-Unkräutern und einer insgesamt stark zurückgegangenen Artenvielfalt der Nutzpflanzen noch viel negativer als vorher. Gerade für den Landkreis Donau-Ries, mit der dritthöchsten Biogasanlagendichte in ganz Bayern, warnt Frau Pusch-Beier vor Versprechen auf noch ertragreichere Energiepflanzen wie Mais und Weizen, sogenanntem Treibstoffmais. Die Gefahren der Auskreuzung bestünden auch bei diesen Sorten, die nicht für die Lebensmittelproduktion gedacht sind, weil es der Natur egal sei, wofür der Mais später verwendet werde.

In Europa zum Anbau zugelassen sind bereits eine Sorte gv- Mais und die Gen-Kartoffel Amflora, die zwar zur Herstellung von Stärke genutzt wird und nicht als Lebensmittel auf den Tisch kommt, aber trotzdem besonders die Gefahr der Auskreuzung der Antibiotikaresistenz mit sich bringt. Der Großteil der gentechnisch veränderten (gv) Lebensmittel, zum Beispiel Soja, Mais und Raps, kommt als Import nach Europa und Deutschland. Obst, Gemüse, Reis, Kartoffeln, Fisch, Joghurt aus gv- Mikroorganismen oder Bier mit gv- Hefen sind allerdings weder zum Anbau noch zur Einfuhr zugelassen.
Sicherheit für den Verbraucher soll eine Kennzeichnung von gv- Lebensmitteln geben, welche die EU 2004 eingeführt hat. Diese Kennzeichnungspflicht weist allerdings einige Spitzfindigkeiten auf, wie die Referentin aufzeigte. So ist ein Lebensmittel, das selbst gentechnischveränderte Organismen (GVO) enthält (z.B. Joghurt oder Bier) kennzeichnungspflichtig. Nicht Kennzeichnungspflichtig sind jedoch laut EU-Verordnung Vitamine, Zusatzstoffe, Aromen oder Enzyme, die mit Hilfe von gv- Mikroorganismen hergestellt wurden. Ebenfalls nicht gekennzeichnet werden müssen Produkte wie Fleisch, Eier oder Milchprodukte von Tieren, die mit GVO gefüttert wurden. Hier bietet eine freiwillige Kennzeichnung von Lebensmitteln ohne Gentechnik (auch ohne gv-Futtermittel) Sicherheit für den Verbraucher. Einziges Manko sei, dass hier selten das einheitliche Label in Form einer hellgrünen Raute mit der Aufschrift „ohne Gentechnik“ benutzt werde. Die Vielfalt der produzenteneigenen Labels sorge beim Verbraucher bisweilen für Verwirrung. Dagegen sind biologisch erzeugte Lebensmittel einfach zu erkennen und sicher ohne Gentechnik, weil die EU-Richtlinien für Bio-Lebensmittel den Gebrauch von Gentechnik verbieten. Bio-Verbände kontrollieren die Landwirte und Herstellungsbedingungen zusätzlich zu den staatlichen Lebensmitteluntersuchungsanstalten der Länder.

Die Veranstalter des Abends (Evangelisches Bildungswerk Donau-Ries, Bund Naturschutz Kreisgruppe Donau-Ries und Wählergemeinschaft 50 Plus Aktiv) appellierten an die Verantwortung der Verbraucher und an ihr Bewusstsein die Macht am Ladentisch auch zu nutzen. Mit Infomaterial und bereitwilligen Auskünften unterstützte die BN- Kreisgruppe Donau-Ries dieses Anliegen und setzt sich auch weiterhin gegen Gentechnik im Essen ein. Frau Dr. Pusch- Beier formulierte ihre Empfehlung so: Achten Sie auf das Etikett, fragen Sie nach und kaufen Sie im Zweifelsfall biologisch erzeugte Lebensmittel, um sicher zu gehen keine Gentechnik auf dem Teller zu haben! Bemerkenswert bei der abschließenden Diskussion war der Publikumstenor, der sich von der lokalen Politik und auch vom Bauernverband eine eindeutigere Haltung gegen Gentechnik und für eine gentechnikfreie Region Donau-Ries wünschte.