Pressemitteilung vom 17.06.2010

Überdimensionierte Biogasanlagen

Bund Naturschutz fordert Umdenken in der Kommunalpolitik

Der Landkreis Donau-Ries hat mit über 80 Anlagen die dritthöchste Biogasanlagendichte in ganz Bayern, täglich werden neue Anlage beantragt oder deren Größe aufgestockt. Dies führt zu massiven ökologischen Problemen.

Die Kreisgruppe Donau-Ries des Bund Naturschutz hat in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, keine Biogasanlagen mehr zu befürworten, wenn diese nicht Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllen. Dazu gehört nach Meinung des zweiten Kreisvorsitzenden Alexander Helber auch eine Verknüpfung der Genehmigung an die Abwärmenutzung der Anlagen.

„Die entstehende Wärme nicht zu nutzen, sondern einfach in die Luft zu blasen, ist klimapolitisch überhaupt nicht sinnvoll!“,

so Alexander Helber. Die Naturschützer weisen darauf hin, dass die Gemeinden bei der Aufstellung der vorhabenbezogenen Bebauungspläne stets die Möglichkeit haben, Bedingungen zur Einhaltung der Nachhaltigkeit an die Biogasanlagenbetreiber zu stellen oder einen Antrag auch einmal ablehnen dürfen! Meist aber stehen die Gemeinderäte unter dem Druck der Anlagenbetreiber.

Ein weiteres schwerwiegendes Problem ist die Intensivierung der Flächen, die als Folge der vielen Biogasanlagen gerade auch im Ries immer mehr zunimmt. Viele Biogasanlagen sind so überdimensioniert, dass z. B. um Marktoffingen künftig ca. 90 % aller Anbauflächen  für die intensivste Biomasseproduktion genutzt werden. Das heißt in den meisten Fällen, dass dort noch mehr Mais oder Weizen für die Biogasanlagen angebaut wird. Der Bund Naturschutz befürchtet in diesem Zusammenhang, dass weitere Wiesen und extensiv genutzte Flächen umgebrochen oder intensiviert werden. Die blühenden Wiesen fehlen zunehmend im Ries – 5 Schnitte sind an der Tagesordnung. Die Folgen wären unter anderem weiterer Artenschwund und die Veränderung des Landschaftsbildes zu einheitlichen Energieäckern. Im gesamten Landkreis sind durch zunehmende Wiesenumbrüche viele Lebensräume für bedrohte Arten in Gefahr. Für die Märkte in der Region bedeutet das aber auch, dass es kaum mehr eine lokale Versorgung mit Nahrungsmitteln oder Getreideprodukten geben wird, weil der größte Anteil in die Produktion von Biogasenergie wandert. Nahrungsmittel zur Energieproduktion zu verwenden ist zudem ethisch höchst bedenklich zu sehen.

Der Bund Naturschutz sieht deshalb auch die örtliche Politik in der Verantwortung, die nachhaltige Entwicklung unserer Landschaft selbst in die Hand zu nehmen. Zur Nachhaltigkeit gehöre nicht nur die finanzielle Absicherung der Landwirtschaft, sondern auch die Sicherung der naturräumlichen Besonderheiten in all ihrer Vielfalt und die Wahrung von sozialen Interessen. Letztere sehen Anwohner immer mehr durch Geruchsbelästigung und die zunehmende Verkehrsbelastung durch Anlieferer gefährdet.
Der BN fordert aber auch, dass die Förderung der Biogasanlagen überdacht wird. Kreisvorstandsmitglied Jürgen Schittenhelm meint, dass die Förderung von Anlagen, die Biomasse aus extensiv genutztem Grünland nutzen, erhöht werden muss.

„Demgegenüber muss die Förderung von Anlagen, die Wärme nicht nutzen, stark gekürzt werden.“