Pressemitteilung vom 27. April 2006

Bund Naturschutz kritisiert Atompolitik

Auch in Nordschwaben wittert die  Atomindustrie wieder Morgenluft - Bund Naturschutz übt scharfe Kritik

In der gestrigen Vorstandssitzung der Kreisgruppe Donau-Ries des Bund Naturschutz wurde die momentane Stimmungsmache der Atomlobby scharf verurteilt.

Ausgerechnet zum Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl die Atomenergie von interessierter Seite wieder für salonfähig zu erklären und in einer Laufzeitverlängerung der deutschen AKWs eine Lösung für die Energieprobleme zu sehen, ist mehr als zynisch.

Einzig weil die meisten deutschen Atomkraftwerke bereits abgeschrieben sind, will die Stromwirtschaft das eingesetzte Kapital (wobei darin nicht unerhebliche staatliche Subventionen stecken) noch möglichst lange besonders gewinnbringend nutzen. Dass die AKWs gerade mal 5 bis 6 Prozent der gesamten in Deutschland verbrauchten Energie liefern, der Anteil am Strom beträgt noch nicht mal 30 Prozent, wird gerne unterschlagen. Und viele unserer Medien machen dabei mit. Dass unsere Energiesorgen nicht durch zusätzliche Bereitstellung von  elektrischer Energie beruhigt werden, sondern langfristig und gegenüber nachfolgenden Generationen verantwortbar nur durch längst überfällige große Anstrengungen in Richtung auf Energieeinsparung (wozu braucht z.B. unsere Unterhaltungselektronik eigentlich „Stand-by“ und die Computer Bildschirmschoner?, richtig: weil dann mehr Strom verbraucht werden kann), Effizienzsteigerung (wozu müssen z.B. heutige Autos immer noch so viel Sprit verbrauchen? Richtig: weil dann die Ölindustrie mehr verdient und für die dann notwendigen Kriegskosten die Allgemeinheit aufkommt) und Ausbau der erneuerbaren Energien (z.B. Windräder werden angefeindet, weil sie inzwischen als Konkurrenz wahrgenommen werden.) Solange es noch als völlig normal angesehen wird, dass 4-Personen-Haushalte ca. 4000KWh Strom im Jahr verbrauchen, obwohl voll ausgestattete vergleichbare Haushalte ohne jeden Aufwand mit unter 2000KWh auskommen können, stimmt vieles nicht und ist nur mit sinnloser Energieverschwendung erklärbar.

Auch deutsche Atomanlagen können nicht sicher betrieben werden und sind voller Risiken, produzieren riesige Mengen an Atommüll (für den zur Zeit in Gundremmingen das bisher größte Atommüllzwischenlager gebaut wird), der nicht sicher und schon gar nicht über Jahrtausende sicher entsorgt werden kann und müssen stets im Zusammenhang mit der möglichen oder tatsächlichen Produktion von Atomanlagen gesehen werden. Außerdem gefährden Uranabbau und Atomtransporte Mensch und Umwelt - ganz abgesehen davon, dass Uran der Energierohstoff ist, der noch vor Öl, Gas oder Kohle zur Neige gehen wird, wenn die Pläne der Stromwirtschaft Wirklichkeit werden sollten. Der Einsatz von Atomanlagen und das Versprechen, damit unsere Energieprobleme in den Griff zu bekommen, verhindern den Durchbruch bei der Einleitung einer verantwortbaren Energiepolitik.

Wolkenkuckucksheim-Träume von Fusionsenergie oder Erfolg bei der Entwicklung von „Brüter“-Kraftwerken sollten gar nicht erst aufkommen, darauf zu warten wäre fatal (Das „schnelle-Brüter-Projekt“ in Kalkar am Niederrhein ist nach Verschwendung von vielen Milliarden heute ein Vergnügungspark, und das ist gut so!).