Preseitteilung vom 05.07.2010

Vom naturnahen gärtnern

Vortrag bei der Ortsgruppe Donauwörth des Bund Naturschutz

Unter der Überschrift „Mord und Totschlag im Gartenbeet“ hatte der Referent Georg Wagner für seinen Vortrag geworben. Ein bisschen brutal mutete das Geschehen in der natürlichen Schädlingsbekämpfung mit Nützlingen manchmal auch an. Eines ist aber auch klar geworden: Es liegt in der Hand des geschickten und wissenden Gärtners, dass er möglichst wenige Spritzmittel im Nutzgarten einsetzen muss.

Eine Gallmückenlarve saugt eine Blattlaus durch das Bein aus (Foto: Wagner)

Dieses Wissen konnte der Gartenbau-Ingenieur und ehemalige Gemüsebauberater dank seiner langjährigen Erfahrung und vieler anschaulicher Beispiele in Bild und Pflanze gut vermitteln. Entscheidend für die Anfälligkeit einer Pflanze für Schädlingsbefall sei bereits der richtige Standort. Dabei achtet der gute Gärtner auf die Bodenqualität, -zusammensetzung, Nährstoffversorgung und andere Standortfaktoren. Im Zweifelsfall empfiehlt sich der Kauf einer Pflanze beim Besuch in einer guten Gärtnerei mit Beratung.

Weiterhin sei entscheidend, die Schädlinge bereits in ihrem Anfangsstadium zu erkennen, so Wagner. Eine Blattlaus beispielsweise gebiert im Frühjahr und Sommer etwa 5 junge Blattläuse pro Tag. Übrigens kommen die „Blattlausbabys“ in den warmen Monaten bereits lebendig auf die Welt. Nur im Herbst und Winter werden zuerst Eier (40-100Stück/Blattlaus) abgelegt aus denen dann der Nachwuchs schlüpft. Die jungen Blattläuse sind nach etwa 7 bis 14 Tagen geschlechtsreif und legen wiederum Eier ab oder gebären ohne Begattung.

„Für einen Sommer kann man leicht hochrechnen auf welche immensen Zuwachsraten man da pro Blattlaus kommt“,

so Georg Wagner.

Gegen die drohende Invasion weiß der passionierte Hobby-Bio-Gärtner aber auch viele wirksame Tricks. Das Rezept für die Kaliseifenlauge haben sich die Zuhörer gleich notiert: 100g Kernseife, 2l Wasser und 150ml Spiritus mischen und alle 4 - 5 Tage auf die Blattunterseite sprühen.

Wenn die kleinen Pflanzensaftsauger früh genug erkannt werden, können sie auch noch mechanisch durch Abstreifen mit den Fingern oder mit einem starken Wasserstrahl entfernt werden. Brennnesseljauche als altes und bekanntes Hausmittel wurde vom interessierten Publikum vorgeschlagen. Nach Wagners Erfahrung hilft die über 24-Stunden angesetzte Flüssigkeit, wenn man sie direkt auf die befallenen Stellen sprüht. Andernfalls funktioniert die Jauche als guter Dünger und stärkt die Pflanze allgemein. Am nachhaltigsten wirken aber Nützlinge, und hier wird die Begeisterung Wagners für das perfekte Zusammenspiel von Fressen und Gefressenwerden in der Natur deutlich. Mit detaillierten Aufnahmen zeigt er wie Schlupfwespen, Florfliegen, Gallmücken, Schwebfliegen, Blumenwanzen und Marienkäfer akribisch genau mit den Blattläusen aufräumen. Die Gallmückenlarve zum Beispiel saugt die Blattläuse aus – und das indem sie das Bein der Laus wie einen Trinkhalm benutzt. Zurück bleibt nur die leere, vertrocknete Hülle der Laus und das Gefühl des Gärtners seine grünen Schützlinge gegen die Bedrohung gerettet zu haben.

Der Gartenfachmann vermittelt im Lauf des Abends noch viel über wirksame Nützlinge gegen Spinnmilben, Thrips, die weiße Fliege und viele andere Schädlinge. Dabei gelang es ihm seine Begeisterung für die trickreichen Methoden der hilfreichen Nützlinge gegen die Schädlinge zu übertragen und etwas von der Liebe, die man zum naturnahen gärtnern braucht, zu vermitteln.

Das Fazit: es gibt in der Natur genügend Mittel und Wege, den Nutzen größer als den Schaden zu halten – man muss halt nur wissen wie es geht.

Georg Wagner ist Mitglied der Vorstandschaft der Ortsgruppe Donauwörth des Bund Naturschutz. Unter der E-Mail-Adresse donauwoerth@bund-naturschutz.de ist er für einzelne Rückfragen erreichbar.

Referent Georg Wagner konnte Schädlinge und Nützlinge auch in live vorführen.