Pressemitteilung

Donauwörth, 21. September 2005

 

Niedermoorgebiet zwischen Mertingen und Lauterbach

Ornithologisch landesweite Bedeutsamkeit in Untersuchungen bestätigt

Donauwörth (alhe): Im Rahmen  der Naturschutzgroßprojektes Mertinger Höll-Ruten konnte der Bund Naturschutz Donau-Ries einige wichtige Erkenntnisse über den Brutvogelbestand des Bereichs des Wiesenbrütergebiet um die Mertinger Höll erzielen. Das 1200 ha große Gebiet liegt im Überschwemmungsgebiet östlich der Zusam. Nicht untersucht wurde hierbei das Naturschutzgebiet  "Mertinger Höll" selbst.
Bei einer umfassenden Feldstudie konnte der Ornithologe Fritz Heiser 63 Vogelarten  mit 1064 Revieren feststellen. Im Gebiet stellte er ein Reihe von seltenen Vogelarten fest  u.a. : Kiebitz, Großer Brachvogel, Schleiereule, Nachtigall, Blaukehlchen (Bild s.u.), Braunkehlchen, Dorngrasmücke, Neuntöter, Pirol, Schwarzmilan, Wachtel und Wachtelkönig (Bild s.u.)

Trotz der offenen Struktur dieses Niedermoorgebietes kann das Gebiet als bemerkenswert artenreich eingestuft werden. Wegen des hohen Anteils niedermoortypischer Vogelarten wird die landesweite Bedeutung des Gebietes eindrucksvoll bestätigt. Das Gebiet wurde 2004 von der bayerischen Regierung  komplett als Vogelschutzgebiet an die EU gemeldet.

Heiser, der das Gebiet seit 36 Jahren begeht, musste feststellen, dass vor allem die Wiesenbrüter   wie Große Brachvogel und Kiebitz enorm zurückgegangen sind. Von ehemals 21 Brutpaaren  des großen Brachvogels (im Jahre 1971) und 100 Brutpaaren des Kiebitzes sind nur noch Restbestände vorhanden. Trotzdem gehören diese Bestände zu den größten im östlichen Donauried. Die Verschlechterung hängt mit der Verfrühung der Mahd, als auch mit dem stetigen Umbruch der Wiesen in Maisäcker und der immer noch zu beobachtenden Wiesenwalzung während der Legezeit zusammen. Daneben spielen die hochgewachsenen Baumreihen eine negative Rolle. Diese wurden erst in den 50er Jahren gepflanzt.

Der Kiebitz dagegen weicht z. T. auch auf Äcker aus, was ihm bei späterer Bearbeitung  der Maisäcker  zum Verhängnis wird. Selten kann er sein Gelege erbrüten.

Ein weiterer Grund sind die zunehmenden Beunruhigungen durch den Freizeitverkehr, der insbesondere Wiesenbrüter negativ beeinträchtigt und oft zur Gelegeaufgaben führt.
 
Erfreulich ist aber das Vorkommen des Blaukehlchens mit 24 Revieren, das über die Jahre hinweg stabil blieb. Überraschen konnte die Zahl der Braunkehlchen mit 9 Brutpaaren.  Gerade das Braunkelchen ist auf den Strukturreichtum vor allem extensiver Wiesen angewiesen. Die kleinteilige Abwechslung der Nutzungen ist hier im Ried entscheidend. Bemerkenswert ist, dass im Donautal zwischen der Glött im Westen und Lech im Osten keine weiteren Bruten mehr zu zählen waren. Die Wiesen um die Höll stellen hier einen letzten Rückszugsort im Donautal dar.

Betrachtet man noch das Vorkommen der ebenfalls besonders stark zurückgehenden Wachtelbestände,  so zeigt sich, dass hier die Welt noch in Ordnung ist. Die Wachtel ist auf strukturreiche und auch extensive Wiesen, angewiesen. Mit 33nachgewiesenen Revieren ist ein überaus beeindruckender Bestand dieser bedrohten Vogelart vorhanden.

Auch Arten, die in sehr engem Austausch mit der Mertinger Höll sind, wie z.B. Bekassine und Schwarzkehlchen, verdeutlichen, daß die Flächen südlich,  westlich und nordwestlich der Höll das Rückgrat dieses einmaligen Naturschutzgebietes  darstellt. 

 

Bekassine, Bekassine, Bekassine, Bekassine, Bekassine, Bekassine, Bekassine,  Bekassine

Blaukehlchen, Blaukehlchen, Blaukehlchen, Blaukehlchen, Blaukehlchen, Blaukehlchen

 

Gerade die landschafts-angepasste, ehemals kleinbäuerliche Landwirtschaft hat dieses Gebiet geschaffen und bis heute erhalten. Kein anderes Gebiet im östlichen Donauried weist noch diese seltene Vielfalt auf.

Bisher wurden im Rahmen des Projekts rund 74 ha Land erworben, die für konkrete Verbesserungs-maßnahmen eingesetzt werden. Gefördert wurde dies aus Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds.

 

   Blaukehlchen

Weiter wurde auf zwei Grundstücken Flachmulden angelegt, die heuer bereits erste Erfolge zeigten. So konnten mindestens 5 Kiebitzpaare ihre Jungen aufziehen.

Wachtelkönig, Wachtelkönig, Wachtelkönig, Wachtelkönig, Wachtelkönig, Wachtelkönig          Wachtelkönig