Bauen mit Holz

Baustoff Weißtanne

Bund Naturschutz empfiehlt Nutzung von Tannenholz.

Die Tanne, nicht zu verwechseln mit der fast überall anzutreffenden Fichte, ist für natürliche Mischwälder der Mittelgebirge und des Alpenvorlandes eine außerordentlich wichtige Baumart.

In der Vergangenheit wurden sie jedoch durch Waldbaumaßnahmen, Luftverschmutzung und Wildverbiss stark zurückgedrängt. Heute beträgt ihr Anteil nur noch rund 1,5 Prozent an der Waldfläche. Gerade im Zuge einer ökologischen Waldbewirtschaftung, wie sie ansatzweise in Deutschlands Wäldern zunehmend praktiziert wird, gewinnt die Tanne wieder an Bedeutung. Sie kann auch auf schwierigen Böden tiefe Wurzeln ausbilden und ist deshalb gut verankert und weniger anfällig gegen Stürme als die weitverbreitete Fichte. Für stufige, artenreiche Strukturen im Wald sorgt die Tanne, da sie auch unter Schirm, das heißt von großen Bäumen beschattet, lange Zeit überdauern kann. Dennoch dominieren immer noch Fichten-Altersklassenwälder das Waldbild der deutschen Mittelgebirge. Viele private Waldbesitzer setzen noch immer auf Fichtenmonokulturen. Diese haben zwar nur einen geringen ökologischen Wert, sind aber jederzeit ohne Vorbehalte verkäuflich. Damit sich also das Engagement einiger Waldbesitzer für ökologische Wälder mit alten Baumbeständen und verbesserten Naturschutzmaßnahmen lohnt, müssen sie ihr Tannenholz auch verkaufen können. Ökologie muss sich „rechnen“, da der Wald für viele Waldbesitzer eine unverzichtbare Einkommensquelle darstellt.

Tannenholz, ein hervorragender Baustoff

Das Tannenholz und seine hervorragenden Eigenschaften ist mittlerweile fast in Vergessenheit geraten. Dabei war Tannenholz schon in der Vergangenheit ein klassischer Baustoff. Untersuchungen im Landkreis Mittweida ergaben bei Analysen von Balken, Pfosten und Sparren aus Burgen, Kirchen, Rathäusern und Bauernhöfen aus dem Zeitraum 1069 bis 1850, dass die Weißtanne mit 65 Prozent den meistverwendeten Holzbaustoff darstellte. Die Fichte war nur mit 29 Prozent vertreten. Auch beim Bau von Scheunen und landwirtschaftlichen Nebengebäuden wurde überwiegend Tannenholz verwendet.

Heute wird dagegen vor allem Fichtenholz verbaut. Dies liegt zum Teil an Vorurteilen, die Verarbeiter gegenüber Tannenholz haben. Doch richtig verarbeitet (z. B. an der Luft vorgetrocknet, separat bearbeitet) hat die Tanne sogar Vorteile gegenüber der Fichte:
So lässt sich die Tanne ideal im Möbelbereich oder als Deckenpaneele verwenden, da sie keine klebrigen Harzgallen besitzt. Dies wissen jedoch 22 Prozent der Forstleute und 9 Prozent der Verarbeiter nicht, wie eine Umfrage im tannenreichen Vorarlberg ergab. Durch ihre höhere Witterungsbeständigkeit lässt sich Tannenholz auch ohne Behandlung mit Holzschutzmitteln ideal im Fassadenbereich verwenden. Da es zudem besser imprägniert werden kann als Fichtenholz, ist Tannenholz auch für Fenster, Türkanteln oder Gartenstühle eine echte Alternative zum Tropenholz. Es eignet sich gut für den Wasserbau, und seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Säuren und Laugen macht es zum idealen Holz für Ställe.

Die Tanne ist Europas mächtigste Baumart. Ihre zum Teil riesigen Stammdurchmesser ermöglichen bei der Verarbeitung auch Stammeinschnitte mit überwiegend stehenden Jahresringen. Dies wiederum wirkt sich sehr positiv auf die Festigkeit aus. Überzeugen kann man sich davon auf dem ehemaligen Expogelände in Hannover. Dort wird das sogenannte EXPO-Dach von 150 bis 300 Jahre alten Tannenstämmen aus dem Schwarzwald getragen. Diese haben bei 17 Metern Länge an ihrem dünnen Ende immer noch einen Durchmesser von mindestens 70 cm.

Aber auch Einfamilien-Holzhäuser können mit Tanne problemlos realisiert werden. „Als Förster kenne ich die ökologische Bedeutung des Tannenholzes und die Probleme beim Absatz nur zu gut. Daher habe ich beim Bau meines Holzhauses ganz bewusst auch auf die Verwendung von Tannenholz geachtet”, so Hans Bosch, Revierleiter in Mutlangen beim Staatlichen Forstamt Schwäbisch Gmünd und Eigentümer des ersten sogenannten „Ostalb-Hauses“. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Projekt, das die Vermarktung heimischen Tannenholzes fördern soll. Unter Mitwirkung des BUND Ostwürttemberg, soll das „Ostalb-Holzhaus“ aus Tanne demnächst auch in Serie hergestellt werden (www.ostalb-holz.de).

Gute Voraussetzungen also, um verstärkt heimisches Tannenholz wieder im Bau- und Wohnbereich zu verwenden. Fachkundig eingesetzt ist Tannenholz ein natürlicher Baustoff, dessen Eigenschaften bei Beachtung bestimmter Voraussetzungen äußerst positiv zu bewerten sind. Nur wenn Tannenholz künftig eine breite Verwendung findet, wird diese ökologisch wertvolle Baumart auch eine Zukunft in unseren Wäldern haben.

Autor: Andreas Häusler

Copyright: BUND Jahrbuch 2002 Ökologisch Bauen & Renovieren