Gefährdete Lebensräume in der Höll

Das Mertinger Ried ist ein extrem abwechslungsreiches Gebiet mit zahlreichen verschiedenen Lebensräumen zum Großteil auf Moor- oder Anmoorböden. Die Lebensräume können nur durch eine schonende und extensive Bewirtschaftung (Düngeverzicht, ein- bzw. zweimalige Mahd im Jahr) in ihrer vollen Funktionalität erhalten werden:

  • Feucht-und Frischwiesen
  • Streuwiesen
  • Feuchtgebüsche

Feucht- und Frischwiesen

Blüten- und artenreiche Wiesen sind in unserer heutigen Kulturlandschaft eine echte Seltenheit geworden. Durch eine immer intensivere Nutzung, z.B. durch Düngung und häufige Mahd, haben konkurrenzschwache Arten keine Chance. So gleichen viele unserer heutigen „Wiesen“ eher einem „Grasacker“.  Im Mertinger Ried gibt es sie noch: Die artenreichen mageren Feucht- und Frischwiesen. Aber auch hier sind sie im Rückgang begriffen. So wurde bei einer Kartierung 2016 festgestellt, dass seit 2007 bereits 25 ha magere Flachlandmähwiesen verschlechtert oder völlig verschwunden waren.

Die kleinflächige extensive Nutzung, welche bis Mitte des 20. Jahrhunderts üblich war, ist für die Pflanzen, Wiesenbrüter und Insekten ideal. Die Pflanzen hatten Zeit zur Samenreife zu kommen. Bei der Mahd ohne große Maschinen war die Überlebenschance von Gelegen und Küken höher. Vor allem wurden meist nur kleine Teilflächen der Wiesen gemäht, so dass ein strukturreiches Nutzungsmosaik entstand und es somit immer Ausweichflächen für Insekten und Co. gab.

Gerade für den Großen Brachvogel sind magere und somit langsam wüchsige, lückige Wiesen wichtig. Nur hier findet er Brutplätze, die seinen Ansprüchen genügen. Dort kann er unbemerkt von und zu seinem Nest schleichen und die Küken können sich, gerade auch bei sehr nassem Wetter, durch die lückenhafte Vegetation bewegen und finden dort auch Nahrung an der Oberfläche.

Typische Arten  der Frisch- und Feuchtwiesen: Großer Brachvogel, Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Bach-Nelkenwurz und Wiesen-Flockenblume.

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Vielfalt im Ried
Riedwiese ist nicht gleich Riedwiese


Streuwiesen

Die meisten Streuwiesen finden sich in und um das Naturschutzgebiet „Mertinger Höll“. Es ist eigentlich ein Wiesentyp, welcher Mitte des 19. Jhdt. sekundär durch die menschliche Nutzung entstanden ist. Die Röhrichte und Seggenrieder der Niedermoore wurden im Herbst oder Winter von Hand gemäht und nicht gedüngt, um Einstreu für die Viehställe zu gewinnen. Als Viehfutter war es ungeeignet. So entstanden durch diese Nutzungsart die typischen Streuwiesen, welche durch die einmalige Jahresmahd viele seltene und konkurrenzschwache Arten aufweisen. Sie gehören  zu den artenreichsten Grünlandgesellschaften in Mitteleuropa.

Durch moderne Stalltechniken ohne Einstreu und eine allgemeine Intensivierung der Landwirtschaft hatte man ab den 60er Jahren des 20. Jhdt. für Streuwiesen keine Verwendung mehr. Die einzigartige Pflanzen- und Tierwelt hat sich jedoch an die extensive Nutzung angepasst. Seitdem sind viele Streuwiesen verschwunden und mit ihnen die seltenen Tier- und Pflanzenarten. Die Streuwiesen können nur durch Pflege vor Verbuschung bewahrt und so die Artenvielfalt erhalten werden. Vor allem in den Streuwiesen im Mertinger Ried kommen viele seltene Stromtalarten vor.

Typische Arten der Streuwiese sind die Mehlprimel, Färberscharte, Sibirische Schwertlilie,  Wachtelkönig und Große Goldschrecke.

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Vielfalt im Ried


Feuchtgebüsche/-gehölze

Die Lauterbacher Ruten sind geprägt durch ein abwechslungsreiches Kleinmosaik mit langen Gewannen und kleinräumigem Wechsel von Gehölzsukzession (auf ehemaligen Torfstichen), Grünland und Streuwiesen. Diese Strukturvielfalt bietet Nachtigall, Neuntöter, Blaukehlchen und Pirol ein ideales Brutgebiet.

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Vielfalt im Ried