Gemeinde Tapfheim entfernt Sträucher und Bäume am Reichenbach – Naturschutzbehörde stoppt Arbeiten
Tapfheim Die Gemeinde Tapfheim hat vergangene Woche entlang des Reichenbachs auf einer Länge von über einem Kilometer nahezu alle Bäume und Sträucher entfernen lassen.
Der Bund Naturschutz (BN) kritisiert das Vorgehen der Gemeinde scharf und spricht von einem „unrechtmäßigen Kahlschlag“ entlang des Gewässers: „Dieser massive Eingriff in die Aue des Reichenbachs ist weder fachlich begründbar noch notwendig,“ so Alexander Helber, Kreisvorsitzender des BN.
Der Naturschützer betont, dass Gewässerrandstreifen eine wichtige Rolle im Ökosystem und beim Biotopverbund spielen.
„Die Gehölze am Ufer sind Bestandteil des natürlichen Hochwasserschutzes und bieten Tieren wie Vögeln, Amphibien und Insekten wertvolle Rückzugsorte“, erklärt Josef Fröhlich, stellvertretender Ortsvorsitzender. Zudem verhindern die Wurzeln der Sträucher und Bäume Erosion und stabilisieren das Ufer. Der von den Bäumen geworfene Schatten reduziert die Erwärmung des Bachwassers. Nicht nur Weiden, Pfaffenhütchen und Hasel, sondern auch größere Erlen, Birken, Kirsche und Eschen sind den Rodungsarbeiten der Gemeinde zum Opfer gefallen. Auch wertvolle Biotopbäume mit Spechthöhlen seien umgeschnitten worden.
Kurz nach dem Bekanntwerden des Vorgangs beim Landratsamt Donau-Ries schritt die Untere Naturschutzbehörde ein und stoppte die Rodungsarbeiten, um Schlimmeres zu verhindern.
„Wie eine Kommune heutzutage noch so rücksichtslos und ohne jeden Sachverstand vorgehen kann, ist nahezu unverstellbar“, zeigen sich Helber und sein Stellvertreter Schubert fassungslos. Sie sind sich einig, dass die Verantwortung für diesen Naturfrevel beim Tapfheimer Bürgermeister liegt.
Der Vorfall reiht sich in eine umfangreiche Serie von Vorgängen in Tapfheim ein, bei denen die Kommune unsachgemäße „Pflegearbeiten“ an prägenden, alten Ahornbäumen am Solarpark oder Rodungen in der Riedstraße vorgenommen hat. Auch der Bauhof reiht sich in die Reihe der Verstümmelungen und Rodungen von Bäumen ein. Bereits um die Jahreswende wurde eine Ausgleichshecke nahe dem Tapfheimer Sportplatz von der Gemeinde niedergemulcht.
Angesichts des aktuellen Vorfalls erwartet der BN nun Wiedergutmachung in Form von Ersatzpflanzungen. Vorsitzender Helber fordert: „So ein Vorgang darf sich nicht mehr wiederholen. Pflegearbeiten müssen grundsätzlich abgestimmt werden und sind von Baumpflegern und Fachpersonal durchzuführen. Endlich muss auch, wie vom Bürgermeister versprochen, ein Baumkataster erstellt werden.“