Streuwiesenverbund im östlichen Donauried

Initiative Lebensraum Donauried

Streuwiesenverbund im östlichen Donauried

Projektzeitraum 2001 - Mai 2005

1. Projektbeschreibung
Seit dem Jahr 2001 ist der „Streuwiesenverbund im östlichen Donauried“ ein Umsetzungsprojekt der Initiative Lebensraum Donauried. Maßnahmenträger ist der Bund Naturschutz in Bayern e.V., gefördert wird er von der Regierung von Schwaben. Das Projektgebiet erstreckt sich in den Landkreisen Dillingen und Donau-Ries über ca. 70 km² in Teilbereichen der Kommunen Binswangen, Blindheim, Buttenwiesen, Donauwörth, Höchstädt, Schwenningen, Tapfheim und Wertingen. Projektpartner sind die Landwirte der Region, die Kommunen und Landkreise sowie die beteiligten Fachbehörden.

Streuwiesen sind typische Nasswiesen des Donaurieds, deren Heu traditionell zur Einstreu in die Stallungen genutzt wurde. Auf diesen ungedüngten Wiesen mit hoch anstehendem Grundwasser und der späten Mahd im Herbst bzw. Winter haben sich artenreiche Lebensräume mit seltenen Tieren und Pflanzen erhalten. Ungedüngte oder schwach gedüngte Feuchtwiesen stellen wichtige Verbundflächen für den Streuwiesenverbund neben extensiv genutzten Gräben und Donaudämmen dar.

In der modernen Landwirtschaft wird der spätgemähte Aufwuchs der Streuwiesen nicht mehr benötigt. Die Feuchtflächen wurden entwässert und als Futtergrünland oder Ackerflächen genutzt. Viele Streuwiesen fielen brach und Gehölze breiteten sich aus. Nur noch 1% der einstigen Streuwiesen sind heute noch vorhanden. Die verbliebenen Oasen sind zu klein und zu weit voneinander entfernt, um auf Dauer die Tier- und Pflanzenbestände überlebensfähig zu erhalten und einen genetischen Austausch zwischen ihnen zu gewährleisten.

Projektziele sind
* Erhalt und Vergrößerung der letzten noch verbliebenen Streuwiesenreste.
* Optimierung des Streuwiesenbestandes durch fachgerechte Pflege.
* Schaffung eines zusammenhängenden Streuwiesenverbundes.


2. Naturschutzfachliche Bedeutung der Streuwiesen
Die Streuwiesen des östlichen Donaurieds haben für das schwäbische Donautal eine herausragende gesamtökologische Bedeutung: Sie erfüllen besonders im Riedstrombereich eine wichtige Retentionswirkung als Wasserspeicher und haben in den Nieder- und Anmoorbereichen bei intakten Grundwasserverhältnissen eine Schutzfunktion für die sensiblen Moorböden, die insbesondere in den angrenzenden landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen nicht erfüllt wird. Aus kulturhistorischer Sicht sind sie beispielgebend für eine an sensible Feuchtlebensräume angepasste Nutzung und dienen aktuell als Indikatorlebensräume für intakte Wasser- und Bodenverhältnisse.

In ihrer Gesamtheit haben die Streuwiesen des östlichen Donauried eine naturschutzfachlich weit über die Region herausragende landesweite Bedeutung. So wurden insgesamt 49 Pflanzenarten der Roten Liste Bayerns bzw. Deutschlands in den Streuwiesen des östlichen Donaurieds nachgewiesen.


3. Flächenbilanz und Landschaftspflege
Zu Projektbeginn im Jahr 2001 wurden etwa 23 ha Streuwiesenfläche nach naturschutzfachlichen Vorgaben genutzt. Bis Ende 2004 konnte diese Fläche um 57 ha auf mehr als das Dreifache vergrößert werden, so dass heute auf rund 80 ha Fläche Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt auf einem Großteil der Fläche durch den Bund Naturschutz als Projektträger des Streuwiesenverbundprojektes mit Mitteln aus dem Landschaftspflegeprogramm. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Flächen im Vertragsnaturschutzprogramm (21 ha). Dort nutzen Landwirte nach naturschutzfachlichen Vorgaben die Wiesen und erhalten einen finanziellen Ausgleich für den erhöhten Aufwand. Darüber hinaus sind der Landkreis Dillingen (17 ha) und die Gemeinden als Maßnahmenträger in die Umsetzung miteingebunden.


In der praktischen Landschaftspflege wirken 20 ortsansässige Landwirte, 6 Betriebe aus dem Forst- und Landschaftsgestaltungsbereich, 2 ausgebildete Landschaftspfleger sowie ehrenamtliche Helfer des Bund Naturschutz mit. 27 Landwirte beteiligen sich am Vertragsnaturschutzprogramm.


4. Umsetzungsbeispiele
Dank der intensiven Bemühungen aller Beteiligter konnten in der Folge der Umsetzungsmaßnahmen (regelmäßige Mahd und Entbuschung) Neufunde und eine Vergrößerung der Populationen hochgradig gefährdeter Pflanzenarten festgestellt werden:

* Zu Projektbeginn fast vollständig verbuschte Streuwiese bei Donauwörth: nach umfangreichen Entbuschungsarbeiten und regelmäßiger Pflegemahd traten das vom Aussterben bedrohte Niedrige Veilchen( Viola pumila) neu auf. Die Population des Hohen Veilchens (Viola elatior) hat sich von 2001 mit ca. 20-30 Individuen auf mehrere hundert Individuen 2004 sehr stark vergrößert. Insgesamt konnten 18 z.T. hochgradig gefährdete Pflanzenarten der Roten Liste nachgewiesen werden im Vergleich zu drei Rote Liste Arten 1988.

* z.B. Streuwiese bei Höchstädt: Reduzierung des Schilfs und weiterer Störzeiger, Dominanz des Kantenlauchs (Allium angulosum), Neuauftreten des stark gefährdeten Hohen Veilchens (Viola elatior), welches im Landkreis Dillingen nur noch auf einer weiteren Streuwiese vorkommt.

 
5. Projektfinanzierung
Während der 5-jährigen Projektlaufzeit wurden für die Umsetzungsmaßnahmen, Pflege und Entwicklung der Streuwiesen rund 170.000 € an die Landwirte der Region ausgezahlt. Diese Mittel werden vom Bund Naturschutz, den Landkreisen und Gemeinden mit Förderung der Regierung von Schwaben und Co-Finanzierung durch die EU bereitgestellt. Für Flächenankäufe wurden 50.000 € durch den Bund Naturschutz mit Förderung der Direktion für Ländliche Entwicklung aufgewendet.

Für das Projektmanagement und die Organisation wurden zusätzliche Mittel durch den Bund Naturschutz als Träger unter Förderung der Regierung von Schwaben eingesetzt.

 

Projektträger: 
 Bund Naturschutz in Bayern e.V.
 Geschäftsstelle Dillingen, Örtelstr. 7, 89407 Dillingen
 Geschäftsstelle Donauwörth, Heilig-Kreuz-Str. 15, 86609 Donauwörth

Projektbetreuung und –förderung:
 Martin Königsdorfer, Projektmanager Initiative Lebensraum Donauried
 Regierung von Schwaben
 Fronhof 10, 86152 Augsburg

Fachliche Betreuung und Koordination:  Büro Eglseer Dipl.-Biol. Claudia Eglseer Bertolt-Brecht-Str. 7 89312 Günzburg